OCHS bohrte bis 216 Meter tief
Die Baustelle liegt im Randbereich der Gemeinde Diepersdorf am Moritzberg im Nürnberger Land. Eine qualifizierte Bohrmannschaft mit großer Berufserfahrung führte die Arbeiten zur Erschließung des Lebensmittels Trinkwasser aus. Nachdem sämtliche begleitenden Untersuchungen im offenen Bohrloch abgeschlossen und ausgewertet worden waren, konnte der Brunnen zu Beginn dieses Monats mittels Vollwand- und Wickeldrahtfilterrohren DN 350 aus Edelstahl V2A ausgebaut werden.
Auftraggeber der Maßnahme ist der Zweckverband zur Wasserversorgung der Moritzberggruppe. Der neu erstellte Brunnen 5 soll Diepersdorf und weitere umliegende Gemeinden, die an den Verband angeschlossen sind, mit Trinkwasser versorgen. Förderungsziel der Wassergewinnungsanlage ist, im Dauerbetrieb eine Wassermenge von 15 Litern je Sekunde entnehmen zu können.
In Spitzenbedarfszeiten (Hochsommer) soll die Pumpenleistung gar auf 24 Sekundenliter gesteigert und zusammen mit dem bereits bestehenden (1987) Brunnen 4 eine Wasserschüttung von nahezu 50 Litern je Sekunde gewährleistet werden. Die Bohrarbeiten erstreckten sich über den Winter und den Jahreswechsel 2010/ 2011.
In den Schichten des Feuerletten, die an dieser Stelle ca. 60 m mächtig sind, musste man gar mit zwei Bohrteams in Tag- und Nachtschichtbetrieb bohren, da diese Formation sehr zum Nachfallen neigt und das Bohrloch – bei Unterbrechung der Arbeiten – zum Kollabieren hätte bringen können. Alles in allem durchteuft die Bohrung Bodenschichtungen, die mehrere hundert Millionen Jahre an Alter aufweisen können.
Begonnen wurden die Bohrarbeiten mit einem Anfangsdurchmesser von 1.300 mm bis etwa 3 Metern Tiefe. Dies sind die oberen Lockergesteinsschichten, die dann auch mit einem – vorübergehend gesetzten – Standrohr gegen Verstürzen gesichert wurden. Die Bohrwerkzeuge waren sog. Rollenmeißel verschiedener Durchmesser, mit denen sich teleskopartig nach unten vorgearbeitet werden musste. Diese drei- bis fünfarmigen Meißel besitzen mehrere Arbeitsstufen variierender Durchmesser; auf den Armen sind drehbare Zahnmeißel montiert, die das Gebirge bearbeiten und lösen.
Der Rollenmeißel ähnelt ein wenig einem nach unten gerichteten Bäumchen und wird über seine Längsachse ebenfalls durch die Bohranlage zum Rotieren gebracht. So dreht der Meißel axial zum Bohrgestänge. Die Rollenarme nehmen ihrerseits die Rollen in der Drehbewegung mit.
Von 3 bis 41 m lag der Bohrdurchmesser bei 1.100 mm und bis 122 Metern wurde mit einem Werkzeugdurchmesser von 900 mm gearbeitet. Hierbei wurden mehrere wasserführende Schichtungen durchörtert.
Da allerdings die Wasserqualität – gemäß Analysen – erst den strengen Anforderungen der Trinkwasserverordnung zu entsprechen hat, musste das Bohrloch bis 122 Meter Tiefe mittels Stahl-Sperrrohren zunächst gegen Wasserzutritte aus diesen oberen Schichten abgesperrt werden. Hierfür mussten mehrere Stahlrohrtouren konzentrisch zum Bohrloch eingebaut werden.
Die maßgebliche davon, DN 700, reicht von Gelände-Oberkante bis 122 Meter unter Gelände. Der so genannte „Ringraumbereich“ – der Kreisausschnitt zwischen Stahlrohren 700 mm und der Bohrlochwand – wurde von unten nach oben auf 122 m Länge mit einem Spezialzement verpresst, um die gewünschte Dichtheit zu gewähren.
Ab 122 Metern bis zur Endteufe von 216 Metern betrug der Bohrdurchmesser 700 mm. Wasserzuflüsse in diesen Zonen strömen später dem Brunnen zu und werden durch die Ausbauverrohrung DN 350 aus Edelstahl gefasst. Zwischen den Edelstahlrohren DN 350 und der Bohrlochwand bzw. im oberen Bereich den Stahl- Sperrrohren DN 700 brachte man eine Schüttung aus Glaskugeln ø12mm ein. Sie halten die Filter- und Vollwandrohre im Brunnen zentrisch und gewähren, dass das seitlich eintretende Wasser ungehindert dem Bohrloch zufließen kann.
Eine leistungsstarke Unterwasserpumpe wird nach erfolgter Inbetriebnahme dann die geforderten Wassermengen in entsprechender Qualität gewährleisten. Nachdem die Ausbauverrohrung DN 350 zur Wasserfassung eingebaut worden war, wird der Brunnen sandfrei gemacht. Dabei wird mittels Kompressor-Pumpanlage sämtliches überschüssige, verbliebene Material von den Bohrarbeiten aus dem Ringraum entfernt.
Mit dem Abschluss der reinen Brunnenbauarbeiten ist Ende Juli zu rechnen. Im Auftragsumfang der Fa. Ochs ist außerdem die Errichtung des Brunnenhauses, die Inneninstallation, das Verlegen einer Wasserleitung sowie des Stromversorgungskabels enthalten. Das Ende der gesamten Baumaßnahme ist etwa im kommenden September zu erwarten.